Paraguay schon gesehen? - Teil I
 

 

                                                Main-Menu

Concepción

Filadelfia

Die Festschrift der Mennoniten

Fortin Toledo

Die Grüne Hölle

Gran Chaco

Die Mennoniten

Nivaclé-Indianer

 

 

             Submenu

Alles in deutscher Sprache

Buffallo Bill

Chaco-Krieg

Deutsche Siedlungen

Die ersten Siedler

Eingeborenenkolonie

Fernheim

Guarani Nandeva

Hohenau

Jossif Stalin

Loma Plata

Menno Simons

Mennoniten-Siedlung Fernheim

Museum Jakob Unger

Neu-Halbstadt

Wasserschweine

Werkstatt für die Indianer

 

 

Concepción

Artur, unser Reiseleiter
Matthias, einer seiner beiden Söhne
Bei der Ankunft in Concepción wurden wir schon von Artur, dem örtlichen Reiseleiter, erwartet. Auch er ist deutscher Abstammung. In seiner Begleitung war Matthias, 14, der ältere seiner beiden nur spanisch sprechenden Söhne. Wir machten einen kurzen Stadt­rundgang mit einem  Besuch des Bauernmarktes.

 

Bauernmarkt in Concepción

Dann reisten wir mit dem Bus 144 km ins Chaco-Gebiet. Während der Reise  bot uns Matthias von Zeit zu Zeit Süßigkeiten an und versorgte uns mit Mineralwasser.

 

Sumpf- und Urwaldlandschaft im Chaco
Dornen und Kakteen

Der Chaco umfaßt etwa 60% der Fläche Paraguays. Das Landschaftsbild im Chaco setzt sich aus Palmensavannen, ausgedehnten Sümpfen, Ackerland und Urwald zusammen. Im undurch­dringlichen Teil des Chaco, das ist im Nordwesten, gibt es wegen des spärlichen Regens Dornenbüsche und verschiedene Trockenpflanzen.

 

Das Mittagessen wurde im Buffalo Bill, einem Farm-Restaurant, eingenommen. Dort besichtigten wir auch den kleinen Privatzoo. Die Tiere, wie z. B. ein Amazonas-Krokodil, ein Jaguar und  verschiedene Vogelarten waren in einem erbärmlichen Zustand. Sie waren alle in enge Käfige gepfercht und zeigten ganz offensichtlich neurotisches Verhalten. Selbst die ansonsten recht geselligen Aras und Tukane zeigten sich gereizt und wippten nur fortwährend auf ihren Sitzstangen.  Von einer artgerechten Tierhaltung ist man dort weit entfernt.

 

Sie waren alle in enge Käfige gesperrt

Nur einige Wasserschweine waren in einem Freigehege zu sehen. Erschüttert nahmen wir Abschied von diesen armen, gequälten Kreaturen und machten uns auf den Weg zu einem Besuch der Eingeborenenkolonie Guarani Nandeva. Dieser Besuch ist nur möglich, wenn die Straßen befahrbar sind.

 

Die Eingeborenenkolonie Guarani Nandeva

Filadelfia

Die Kleinstadt etwa 12 km östlich der Ruta Trans-Chaco ist das Zentrum der Mennonitenkolonien im paraguayischen Chaco. Eine weitere Siedlung ist Neu-Halbstadt, etwa 35 km südlich gelegen.
Filadelfia ist ein ruhiges, staubiges Städtchen. Der Ort hat den üblichen Schachbrettgrundriß, und nichts wäre auffällig, hieße die Hauptstraße nicht „Hindenburg” und wären nicht fast alle Schilder und Geschäftsauslagen in deutscher Sprache beschriftet. „Hindenburg” wurde die Straße in Erinnerung an den deutschen Reichspräsidenten genannt, der zwar auch den Nazis den Weg zur Macht ebnete aber ebenso dafür verantwortlich war, daß die Siedler dieser Gegend in den Jahren 1930/32 aus der Sowjetunion, wo sie ursprünglich lebten, auswandern durften.
Verlaufen kann man sich in Filadelfia beim besten Willen nicht. Alles Wichtige liegt direkt an der Hindenburg-Straße.

Alles in deutscher Sprache.

Interessant in diesen Städtchen ist, daß alle Schilder und Geschäftsauslagen in deutscher Sprache beschriftet sind.

Die ersten Siedler kamen im Jahre 1930-32. Die Mennoniten sind Anhänger des Theologen Menno Simons, der 1536 in Groningen (Niederlande) lebte.

Menno Simons
Der paraguayanische Staat war immer an Siedlern interessiert und so versprach er den Mennoniten weitreichende Privilegien: die Befreiung vom Militärdienst, ein eigenständiges Schulrecht, zollfreie Wareneinfuhr, ein eigenes Grundbuch-System und Erbrecht sowie Religions­freiheit. Also ist diese Region ein Staat im Staate

 

Die grüne Hölle

Die Mennoniten haben aus dieser grünen Hölle ein fruchtbares Landwirtschaftsgebiet gemacht.

Wir logierten in der  Mennoniten-Siedlung Fernheim im Hotel Florida. Es wird auch von Mennoniten geführt und ist angeblich das bekannteste und renommierteste im ganzen paraguyanischen Chaco. In diesem Gebiet können die Temperaturen bis zu ca. 40° C im Schatten ansteigen. Alle Zimmer verfügen daher über eine Klimaanlage; sie sind jedoch so klein wie Klosterzellen. Wir konnten uns kaum umdrehen und standen einander fortwähren im Weg.

 

Die Mennoniten

Das „Museum Jakob Unger“ in Fernheim wurde natürlich auch besucht.

 

Zu den Exponaten gehören u. a. Gegenstände und Gerätschaft aus der Pionierzeit sowie Handarbeiten und Waffen der Indianerstämme.

 

Unter diversen Broschüren fand ich die Festschrift „Heimat in der Ferne“ über das 75jährige Jubiläum der Kolonie Fernheim und ihre Geschichte. Da sich diese Broschüre fast durchwegs mit Erzählungen und persönlichen Erinnerungen an Ereignissen der Fernheimer befaßt, kann die Lektüre des ungekürzten Textes ziemlich mühsam werden. Ein stark gekürzter Auszug aus den wesentlichsten Abschnitten soll jedoch dennoch wiedergegeben werden:

 

Die Festchrift der Mennoniten

 „… Der im Hintergrund der kommunistischen Regie­rung lebende Jossif Stalin, entpuppte sich als der har­te Machthaber, als kommunistischer Diktator, der eine tiefgreifende Reform des landwirtschaftlichen und des kulturellen Lebens forderte. Was machte die Mennoniten in den 20er Jahren in Russland heimatlos? Das heißt, was bewog sie, die Heimat zu verlassen?Die neuen Machthaber führten mit dem Wahl­spruch "Religion ist Opium für das Volk" die Revoluti­on. Wo die „taufgesinntenMennoniten die Grundlage ihres geistigen und geistlichen Lebens suchten, da setzte der Bolschewismus mit seiner Gottlosenpropaganda ein. Zielsicher wurde die Bildungsreform durchge­führt, an allen Schulen, an allen Universitäten …

... Drei Prediger ver­schwanden spurlos, meine Kameraden verschwan­den, die Reichen ver- schwanden.  … Wenn Gott es haben will, daß wir Russland verlassen sollen, dann schickt er uns sicher den Käufer für unsern Hof …“

Am Abend wurde im Hörsaal des Hotels ein Videofilm gezeigt, der uns über Siedlungen im paraguayarischen Chaco informierte.

Einbringung der Ernte. Heute noch oft wie in der Zeit der ersten Siedler

 

Gran Chaco

Unser nächstes Ziel war Loma Plata.

 

Diese holprige Straße war unser Weg nach Loma Plata. Wir wurden alle heftig durchgerüttelt, aber wir kamen weiter. Im Morast versanken wir ers etwas später.

Loma Plata ist das Verwaltungszentrum der Kolonie Menno, der ersten deutsch-mennonitischen Siedlung, die im zentralen Chaco angelegt wurde. Weitere Siedlung sind Hohenau, Fernheim und Neu-Halbstadt. Über das kleine Hospital und Pflegeheim in Loma Plata gibt es nichts Nennenswertes zu berichten. Interessanter war schon die Ausbildungsstätte und Werkstatt für die Indianer. Dort wurde von den Eingeborenen je nach Ausbildungsstand vom einfachen Sessel bis zum anspruchsvolleren Mobiler so ziemlich alles hergestellt. Gegenwärtig waren jedoch das Ausbildungs personal und die Lehrlinge mit Ausnahme von ein paar Personen und junge Mädchen auf Urlaub.

 

Hinter der Kirche mit Holzturm befindet sich die Ausbildungsstätte für die Indianer
Die Werkstätte war fast leer. Es war ja gerade Urlaubszeit.
Die Möbel sind gediegene Handarbeit der lernwilligen und sehr geschickten Indianer. Helene läßt sich von einem Ausbildner alles genau erklären.
Am Nachmittag besuchten wir mehrere Siedlungen von Eingeborenen. Wir sahen auch die von den Mennoniten errichtete Indianersiedlung. Es sind einfache, einstöckige Backsteinhäuschen mit Flachdächern und je zwei Wohneinheiten. Diese werden durch eine überdachte Durchfahrt getrennt. Das ziemlich geschmacklose Bauwerk sieht dadurch wie eine Unterführung aus. Das Dorf ist unbewohnt. Nur ein einziges Häuschen wurde benützt.

 

Die Indianer ziehen es vor, nach ihrer Tradition in den Wäldern zu leben.

Die Indianer ziehen es vor, nach ihrer Tradition in den Wäldern zu leben.  Sie lieben ihre Freiheit und Ungebundenheit. Ein Rest ihres früheren Nomadenlebens steckt noch in jedem von ihnen. Wenn dieser Rest zum Durchbruch kommt, dann rattern sie mit ihren Motorrädern über die staubigen Straßen.

 

Auf ihren Motorrädern leben sie ihren Drang nach Freheit und Ungebundenheit aus

Fortin Toledo

Über Neuland ging unsere Reise zum Fortin Toledo, eine alte Festung, die aus dem Chaco-Krieg zwischen Paraguay und Bolivien (1930) stammt.

Kriegerdenkmal im Fortin Toledo. Weder das Bild noch das Denkmal sind schadhaft. Diese Plastik ist eine fragmentarische Darstellung eines Soldaten.
Auto aus der Zeit des Chaco-Kriegs
Anschließend besuchten wir das „Proyecto Taguá“, ein Reservat, wo versucht wird, das Taguá, ein ausgestorben geglaubtes Nabelschwein, das zufällig wieder entdeckt wurde, nachzuzüchten. Es war ein verregneter Tag. Viele blieben daher im Bus, die anderen sahen jedoch dieses seltsame Tier nicht.

 

Nivaclé Indianer

Weiterfahrt zum Eingeborenendorf Yalve Sanga in welchem Nivaclé Indianer leben. Da auf einigen Teilstrecken Straßenarbeiten durchgeführt wurden, standen auf einer Baustelle einige Raupenfahrzeuge.

 

 

Das war unser Glück. Unser Bus rutschte in eines der zahllosen mit Schlamm und Wasser gefüllten Löchern und konnte mit eigener Kraft nicht mehr heraus. Eine Planierraupe versuchte das voll besetzte Fahrzeug aus dem tiefen Morast zu ziehen. Da sich die Räder des voll besetzten und daher zu schweren Busses dadurch nur noch tiefer in den Schlamm wühlten,  standen wir bald fast bis zur Tür in der glucksenden Pfütze. Erst als wir alle ausgestiegen waren, konnte der nun viel leichter Bus wieder flott gemacht werden.  Die Weiterfahrt nach Filadelfia war ziemlich aufregend. Immer wieder kam der Bus auf der glitschigen Straße ins Abrutschen, und uns drohte wieder die Gefahr, in einem der Tümpeln steckenzubleiben. Trotz dieser Panne erreichten wir endlich unser Ziel.

 

Im Gänsemarsch zum Eingeborenendorf Yalve Sanga
Die Nivaclé-Indianer bereiten uns einen herzlichen Empfang
Freundschaftliche Gespräche, Feilschen und Handel
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft; in diesem Fall wurde eine aufgebaut. Süßigkeiten sind hochwillkommen und rangieren in ihrer Beliebtheit weit vor Kugelschreibern und ähnlichen kleinen Aufmerksamkeiten

Ich kaufte ein Freundschaftsband mit Indianer-Symbolen. Die Nivaclés freuten sich darüber ganz offensichtlich

Junge Nivaclé-Indianer: Neurgierig und erwartungsvoll.

Die alten Nivaclé-Indianer: Kontaktfreudig und höflich
Die Indianer empfingen uns recht freundlich. Frauen und Kinder scharten sich neugierig um uns und erwarteten kleine Geschenke.  Andere wieder boten ihre indianischen Handarbeiten an. Ich erstand um einen US Dollar ein Freundschaftsband mit indianischen Symbolen. Ich trug es in Paraquay immer, was von den Indianern mir Wohlwollen zur Kenntnis genommen wurde. Auch das Schlachtfeld von Boquerón wurde an diesem Nachmittag besichtigt, ebenso weitere Eingeborenendörfer.  
Zurück zum Seitenanfang
Zurück zum Seitenanfang
Wie ich es sah - Teil II
Uruguay
Zu rück zum Menu
Zu rück zum Reisebeginn

XXXXXXXXXX